Projekt Anna Walser

Zum Konzept

Text von Anna Walser

Zur Arbeit mit der Stimme und der Improvisation im Ensemble:

Im Rahmen einer persönlichen bildnerischen Auseinandersetzung entstand bei mir die Idee der klanglichen Umsetzung dieser Arbeit. Dazu begleitete mich die kontinuierliche Arbeit und Auseinandersetzung Ensemble für Stimmimprovisation seit ca. 4 Jahren unter der Leitung von Marianne Schuppe, die ich in Stundenbildern und Notationen seit Beginn versuche darzustellen. Der regelmässige Austausch untereinander und die Reflexionen des Gehörten sind für unsere Zusammenarbeit wegweisend. Es entstanden gemeinsame Klangbilder und Vorstellungen und ebenso lernte ich die einzelnen Personen in ihrem persönlichen Ausdruck immer besser kennen. So lag der Gedanke nahe, für dieses Ensemble ein klangliches Konzept zu entwickeln, in dem persönlicher Ausdruck einerseits und die gemeinsame Auseinandersetzung mit dem Klangraum andererseits sich verbindet.

Für das Konzept entstanden Beschreibungen für 9 Stimmen, ihre Motive und Gestaltungsmöglichkeiten und eine zeitliche Struktur für die gemeinsame Improvisation.

Zur Auseinandersetzung mit dem Raum:

Durch das Peter-Merian Gebäude am Bahnhof führt ein Fahrradweg. Es ist ein teilweise öffentliches Gebäude, ein nach aussen geschlossener Raum, der durchschritten und durchfahrbar wird und dessen Klang sich durch meine Präsenz verändert. Der Grundklang dieses Gebäudes wird durch mich ’mitgestaltet’. Es gerät etwas in Bewegung, das hörbar wird und das ich durch meine Bewegung ins Klingen versetze. Ich stelle durch meine Bewegung einen Bezug zu diesem Klangraum her. Ich wählte diese Situation als Abbild meiner Vorstellung von Hören und Produzieren. Ein hörbares Aussen, das durch die Anlage dieses Gebäudes verstärkt oder verdichtet wird. Daraus entstand eine vier-Kanal Tonaufnahme auf dem Fahrradweg, der durch das Christoph-Merian Gebäude beim Bahnhof führt. Diese Aufnahme bildet einen Teil des Raumklanges für das Projekt.

Aufführungsort und –datum:

Raum Stefanie Grubenmann, Patrick Becker, Gärtnerstrasse 50, Atelierhaus Bollag

Samstag 23.03.2013, drei Wiederholungen

18.30, 20.00, 21.30 Uhr

Für die gesamte Improvisation ist eine Dauer von ca. 30 - 35 Minuten vorgesehen.

Vorgaben für den Verlauf:

Die Improvisation beginnt mit dem Zuspielband (vier-Kanal Tonaufnahme) und den beiden zusätzlichen aufgenommenen Tonspuren mit zwei Stimmen. Die Lautstärke der Tonaufnahmen wird zur Improvisation gesteuert. Es ist möglich bestimmte Klänge und Geräusche als Gestaltungsmittel zu verstärken. Die einzelnen Sängerinnen nehmen Bezug zum Raum und zueinander auf. Daraus kann ein stimmliches Geflecht entstehen, das sich verdichtet. Die Sängerinnen bewegen sich während der Improvisation im gesamten Raum. Sie können auch mit der Bewegung zueinander, voneinander weg in Bezug treten.

Die weitere Erarbeitung eines Verlaufs ist Teil der gemeinsamen Auseinandersetzung im Ensemble während der Probenarbeiten.

Für die Zuhörerinnen und Zuhörer gibt es keine festen Sitzplätze, damit sie sich im Raum bewegen können.

Gedanken

Wenn ich singe höre ich mir auch zu. Mein Hören ist eher eine Vorstellung, wie ich mich anhöre. Ich versuche diese Unmöglichkeit immer zu überwinden und meine Stimme dem anzugleichen, was ich meine zu hören. Gleichzeitig nehme ich die Wirkung meiner Stimme im Raum wahr, höre was zurückkommt und welche Klänge dadurch in mir geweckt werden. Es entsteht ein Zusammenklang, den ich höre und der in mir einen Eindruck der Gleichzeitigkeit von innen und aussen entstehen lässt.

Mit meinem Singen mache ich eine Aussage, bei der ich mich beim Erzeugen auf das, was ich höre beziehe. Der Raum, der mitklingt und sich zurück meldet, den ich durch meine Aussage zum Antworten bringe oder der mich zum Reagieren anregt,

gehört dazu. Improvisieren mit der Stimme in einem Ensemble kann meine Ausssage vervielfachen und verdichten und bildet gleichzeitig einen zusätzlichen Raum, der mitklingt.

Ein Eindruck

Ein grosser, hoher und fast quadratischer Raum. Draussen ist es dunkel und die Strassenbeleuchtung an. Drinnen fast dunkel, nur wenige kleine Spots werfen

kleine Lichtkreise auf den dunklen Boden. Die zwei hohen grossflächigen Fensterfronten – übers Eck angeordnet – erweitern den Blick und verwischen die Grenzen zwischen innen und aussen. Fährt ein Tram vorbei blinken zusätzliche Lichter, die sich in den Scheiben verdoppeln.

Die Klänge des Zuspielbandes vermischen sich mit den Geräuschen der vorbei-fahrenden Trams und den Rangiergeräuschen aus dem gegenüberliegenden Tramdepot.

Sieben Frauen improvisieren mit der Stimme und bewegen sich zueinander oder von einander weg in diesem ’Setting’. Sie gestalten einen gemeinsamen Klangkörper und sind zuweilen als Duo, Trio oder auch einzeln hörbar. Ihre stimmliche Präsenz bildet einen eigenen Raum im Raum, die sich sowohl auf das Zuspielband, die Geräusche und Klängen von aussen und auf die Motive der Mitsängerinnen bezieht.

Es entsteht ein Klangspektrum aus vielen Schichten.