Auszüge aus Ensemblegesprächen

Auszüge aus Gesprächen im Ensembleworkshop 


23.5.2012

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Marion : in Bezug auf das Sprechen in Improvisationen beschäftigt mich, daß Mundart ja meine Sprache ist, ich aber eigentlich ganz gern schriftdeutsch rede, weil ich dann irgendeinen Abstand dazu hab. Irgendwie stimmt das mehr als Mundart, das ist dann nicht so persönlich, allerdings kann ich dann nicht so schnell sprechen.

Manuela : aber es muß ja nicht schnell sein.

Marion : ich hab eigentlich flüssig gemeint.

Marianne : es darf ja unterschiedliche Flüssig- und Geschwindigkeiten geben, wenn ich z.B. etwas aus dem Stegreif übersetze, dann gibt es einen anderen, unregelmässigeren Redefluss.

Vania : es ist etwas Interessantes, sich beim Reden noch hören zu können, es ist schon anders. Ich hab das Gefühl, entweder blende ich es fast aus und es ist nur im Hintergrund oder ich bin abgelenkt und hab Lachimpulse und bin nicht mehr handlungsfähig. Das hat mich auch gestört, ich wollte ja nicht lachen, beim Singen hab ich das selten...es ist komisch, ich könnte nicht mal sagen, ob es wegen der Bedeutungen ist.

Anna : das andere, das Hören beim Singen hab ich schon viel mehr geübt, gleichschwebende Aufmerksamkeit, mit dem Hören der anderen beim Sprechen hab ich weniger Erfahrung und weniger Muster, auf die ich mich berufen kann, ich hab schon zugehört, aber hat viel Konzentration gebraucht.

Marion : ich hab lange nicht reingefunden und je länger desto weniger Lust gehabt, das zu machen, eine Geschichte auszudenken, würde lieber einen Text lesen und ihn einsetzen, oder ich müßte die Aufgabe anders für mich organisieren.... ich kann die Sprache nicht so als Musik einsetzen kann wie Singen. Wenn ich singe hab ich das Gefühl, es kommt aus einem anderen Zentrum, am Reden ist sicher noch eine andere Zone beteiligt, das interessiert mich gar nicht, Bedeutungen will ich schon gar keine hören, die sind mir wie im Weg.

Brigitte : ich hatte ein Bild, das mich geleitet hat und ich hatte das Gefühl, die anderen hatten auch ihre Bilder. Mit dem Klang ist das etwas Anderes, da hab ich das Gefühl, es ist etwas Gemeinsames, man setzt, pflückt Einzelnes raus, aber das Sprechen ist wie eine andere Form, komplexer. Was machen wir mit den einzelnen Bildern, was kriegen die miteinander zu tun ?

Marion : für mich war es einfacher mit dem Wort in einer fremden Sprache als mit dem laufenden Text in meiner eigenen Sprache, ich hab mich mehr vom Klang verleiten lassen. Jetzt könnte ich das vielleicht auch auf Deutsch.

Marianne : ich hab mich beim Zuhören gefragt, warum verlasst Ihr das gewählte Wort nicht, wenn es Euch zu eng wird.

Vania : weil man das Gefühl hat, man verliert vielleicht etwas...

Manuela : für mich war es das Umgekehrte von eng, ich war erstaunt, was alles da drin ist, wie etwas so fein, zärtlich, fast optimistisch sein kann. Ich konnte nicht mehr aufhören, weil es so Spaß gemacht hat, die Varianten des Wortes auszuprobieren.

Brigitte : mich haben die Worte gestört, von der Bedeutung her, es ist einfach eine Übung, es ist kein Stück, keine Musik, ich bin angestoßen, im Nachhinein denke ich, so ein Wort wie “und”, das wäre ok gewesen, das ist viel offener.

Manuela : für mich war's ein Stück, die einsilbigen Worte geben ja schon eine Struktur

Marion : so ein Wort hat eben auch so viel Kraft, ich hab mir im Vorfeld überlegt, was soll ich nehmen und es gab viele Worte, da war ich sicher, die kann ich nicht nehmen....Es ist vielleicht eine Frage des Einstiegs und die Frage, mach ich's mir jetzt leicht oder schwierig, ob ich jetzt “nur” oder “Ewigkeit” sage.

Vania : aber es ist interessant, in der vorletzten Stunde, wo wir das Wort als Stempel verwendet haben, hat es besser funktioniert, dort war es auf eine Art ja monotoner, restriktiver in der Vorgabe, hat aber besser funktioniert, weil es Versatzstücke waren, mit denen man spielen konnte, ich hab dem ein bisschen nachgetrauert....


21.3.2012

Manuela : ich find's schwierig, wenn es eine lange Pause gibt, nachher wieder einzusteigen, ich bin dann anders im Körper, stark im Kopf.

Anna : aber am Schluß bei Euch gab es einen Moment, da war das Klangliche fertig, aber es war noch nicht fertig,

Marion : das Stück hat mit einer Pause aufgehört.

Vania : es ist interessant, daß es das auch in der Pause gibt, daß sie noch nicht fertig ist. Gut, es ist die Frage, wie weit es damit zu tun hat, daß wir Euch gesehen haben, wenn man das nur hören würde, würde man das auch so merken ?

Anna : die Pause stell ich mir als Zwischenraum vor.

Vania : vor allem der Unterschied zwischen still und still.

Marianne : ich vermute, daß man sich als Zuhörer stark in den körperlichen Zustand von dem, der auf der Bühne ist, versetzen kann, und dann merkst du den Unterschied zwischen still und still.

Marion : aber eigentlich höre ich es in der Stimme, wenn das übereinstimmt.

Vania : wie lange kann man drauf verzichten, den eigenen Stempel zu setzen, ich verlier ihn irgendwann, wenn ich zu lange draußen bleib.

Anne-Christine : ich hab mir mal gesagt, ich warte jetzt, bis Anna singt, dann weiß ich wieder...

Vania : ich hab folgendes Bild : die Motive sind wie so ein Auswerfen von etwas, einhaken und dann gibt es so ein Sich-herauf-ziehen, das sind die Pausen, die Distanzen, der Zug, der Band, das man geworfen hat, und dann die Frage, wirft man noch mal aus, ich zieh mir vor, wie beim Klettern, zum Haken hin.

Anna : und Motivsetzen ist Werfen.

Marianne : das Tönesetzen hat oft etwas von Werfen und dann kann es sein, daß es manchmal auch ganz anders rauskommt, manchmal ergeben sich durch das Werfen die besten Dinge, die man gar nicht hätte planen können.

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11.8.2010

Marion : ein Wort zu singen ist viel prägnanter als ein Vokal, hat einen klaren Ansatz, ich bin mir anders bewußt über einen Bogen, denn ich muß da abschließen mit einem l...hat mir sehr gefallen mit dem Wort, ist so eine Herausforderung, mit dem Anfangskonsonant ist es anders, es gibt schwierige und solche, die ich gern habe, w z.B. habe ich gern, sch ist schwieriger, aber es kann einen wunderschönen Start geben, dann kann der Vokal im Anschluß wie aufblühen.

Anna : es entsteht ein intensiver Geschmack im Moment, der verflüchtigt sich dann, im Moment war er sehr stark....mit Wörtern arbeiten bedeutet, die Zeit kommt stärker rein, denn mit dem Rhythmus vom Wort ist die Zeit stärker stukturiert, es hat einen anderen Charakter, wann ist es Musik, wann ist es Sprache, wann wird aus dem Wort ein Klang, ich kann es dir nicht sagen, ich glaub, das Wesentliche, wenn ich hier drinnen bin und das Wesentliche ist meine Absicht, die Absicht wie ich mich der Worte oder der Klänge bediene, die macht doch den Unterschied.

Anne-Christine : bei mir ist das wirklich so, einfach ein Wort zu haben, auch wenn ihr nicht einmal gemerkt habt, daß es ein Wort war, einfach für mich, hat es dann so eine Hülle, einen Rahmen gegeben, da konnte ich viel entschiedener sein, sonst war ich ein bisschen überflutet, das fand ich erstaunlich, der Text macht es fast ein bisschen einfacher, eben der Mut, loszulegen.

Marion : mir war das gleich, das muß ich nicht verstehen, mir hat das Rahmen gegeben, es rhythmisiert, es kommt Takt rein, das Thema Rhythmus interessiert mich eigentlich sehr mit der Stimme... jetzt wo die Sprache reinkommt, hat das mit dem zu tun, Rhythmus in der Sprache, ein schönes Mittel.

Anna : ich hab 3 Wörter gewählt und gemerkt, es ist spannend was man aus denen machen kann, die verrücktesten Wörter zusammengesetzt und dort kommt natürlich auch die Bedeutung vom Wort hinein und dann bin ich anders dabei..außer daß es einfach strukturiert wegen Anfang und Ende, so verrückt verschieden fand ich es nicht, mich interessiert mehr, ich kann es fast nicht beschreiben, in dem Moment, wo ich einen Ton setze, einen hohen oder tiefen, entsteht fast so etwas wie eine körperliche Berührung mit einem anderen Ton, das ist für mich spürbar und sichtbar und das finde ich eine phänomenale Geschichte, dort ist die größte Gestaltungs-möglichkeit und zwar genau in dem, wenn ich nicht gestalte, und dort ist wieder etwas vom Hören drin, was noch nichts mit meinen Ohren zu tun hat, sondern mit dem, wie ich dabei bin.

Marianne : was sehr nah ist.

Marion : ich hab nicht ganz verstanden, was meinst du mit der Berührung ?

Anna : es ist fast wie eine Bewegung, wenn ich einen Ton setze und mir nicht überlege, welche Tonhöhe ich nehme, er kommt, in dem Moment der Gleichzeitigkeit entsteht etwas wie eine tänzerische Bewegung, eine Berührung, die spürbar ist.

Marianne : die Gleichzeitigkeit als Berührung ?

Anna : ja es ist die Gleichzeitigkeit.

Vania : ich finde auch, die Pause hat eine andere Bedeutung bekommen, ein viel stärkerer Bogen entsteht, wenn man z.B. ein zweisilbiges Wort hat.

Marianne : und das bedeutet für die Pause ?

Vania : ich kann nicht sagen, daß ich sie hätte kürzer machen wollen, aber sie ist gefüllter, ich hab ein einsilbiges und ein zweisilbiges Wort gehabt und das zweisilbige hat mir mehr Spaß gemacht....ich hab die Bewegung toll gefunden, zu starten und dann wieder zu landen, das fand ich toll, das hat so einen Bogen gefunden, bei verschiedenen Wörtern die Konsonanten am Schluß, die sind so in die Pause reingeploppt, das hat mir sehr gefallen, so fein, sehr schön.

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